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Schweden / Norwegen 2011


  

11.06.2011 - Schweden 2011, Start des Urlaubs

Es ist 4.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Mann, ist das früh, wir kommen noch gar nicht klar. Die Abfahrt ist für 5 Uhr vorgesehen. Natürlich klappt das nicht, um 5.20 Uhr machen wir uns dann auf Richtung Autobahn. Prima, endlich geht es los. Hannover, Hamburg, Lübeck, Fehmarn, alles ohne Stau, und das am Pfingstsamstag. Toll! Das Wetter ist toll, die Sonne lacht und macht uns den Urlaub wirklich schmackhaft. Kaum fahren wir auf die Fähre zu, piepst unser BroBizz laut. Das ist ein Gerät, dass ein einfaches Durchfahren für die Fähre über den Fehmarnsund und die Öresundbrücke bietet. Die Fähre ist schon da, wir warten keine 5 Minuten und schon geht es los. Die Fahrspuren in der Fähre sind 2m breit, das Wohnmobil 2,14m. Das ist eng, das Aussteigen eine Kür. Schnell hoch, lecker Norrlands Guld und Wein für gemütliche Abende im Duty Free gekauft, wieder runter und ausgeladen. Dann kam der obligatorische Kaffee und Muffin. Schnell raus auf Sonnendeck.

Kaum in Dänemark geht es weiter Richtung Öresundbrücke. Ein weiteres Piepsen und schon sind wir rüber. Die Autobahn geht weiter Richtung Göteborg, im Center Syd halten wir bei Max Hamburgare und stärken uns. Wir fahren weiter über Trollhättan ins Dalsland. Beim Duse Udde Camping in Säffle wollen wir einchecken. 21 Uhr, natürlich ist keiner mehr da. Ein netter Herr verrät uns den Code für den Einlass. Dann haben wir uns mit den Tücken des Wohnmobils vertraut gemacht, Strom und Wasser sind dran, jetzt schnell in die Heia.


12.06.2011 - Von Säffle ins jämtländische Gäddede

Der Tag der Pannen…

Dieser Tag beginnt im Camping Center Duse Udde in Säffle. Es ist 8 Uhr und der Wecker klingelt unerbittlich. Wir haben einen weiten Weg vor uns, also machen wir uns zügig fertig, um weiter Richtung Norden zu fahren. Natürlich ist um 9 Uhr an der Rezeption des Campingplatzes noch niemand da. Bezahlt haben wir nicht, aber bis 11 Uhr warten? Das kommt leider aufgrund des straffen Zeitplanes nicht in Frage. Also sind wir direkt rausgefahren - ohne zu Bezahlen. Uns plagte das schlechte Gewissen, aber was sollten wir tun? Naja, egal.

Kaum sind wir in der schwedischen Natur, ist alles vergessen. Vom Värmland geht’s weiter nach Dalarna, kurz vor Orsa halten wir bei einem Ica Nära (Supermarkt), um uns mit dem Notwendigsten zu versorgen. Dazu gehören in Schweden natürlich Köttbullar, Polarbröd, Godis (Süßigkeiten) und Ramlösa (die beste schwedische Brause). Unser Weg führte uns dann weiter in Richtung Östersund im Jämtland. Aber es sollte alles anders kommen. Kurz hinter Orsa wurde die E 45, der Inlandsvägen, gesperrt. Eine Umleitung wurde selbstverständlich, ganz in schwedischer Manier, NICHT ausgeschildert. So mussten wir einen ca. 200km langen Umweg fahren, der uns über die E 296 über Voxna, Los und Kårböle führte. Es regnete ununterbrochen. Trotzdem waren wir, nachdem wir die E 45 wieder erreicht hatten, bei bester Laune. Wir passierten Östersund und fuhren weiter bis Strömsund, wo wir auf den Vildmarksvägen fuhren. Diesen Umweg über Stekenjokk wollten wir unbedingt nehmen, weil wir letztes Jahr dort umkehren mussten. Wir fuhren weiter Richtung Gäddede, ca. 50 km davor hielten wir gegen 22h auf einem kleinen Parkplatz direkt an einem See. Bei einem Weinchen ließen wir den Tag ausklingen.


13.06.2011 - Vildmarksvägen über Stekenjokk nach Jokkmokk

8 Uhr - der Wecker klingelt. Wir sind an demselben See aufgewacht, an dem wir gestern angehalten haben :) Erstmal in Ruhe einen Kaffee trinken (hmm, ohne Maschine gar nicht so einfach, der war viel zu dünn), das Wohnmobil fertig machen, dann los. Wir fuhren bis Gäddede, wo wir am Turistbyrå einen Zwischenstopp machten, um uns mit Informationsmaterial zu versorgen. Eine freundliche Frau erklärte uns in bestem jämtländisch, dass der Weg zum Stekenjokk mit großen Huppeln gepflastert sei und wir langsam fahren sollten. Das taten wir auch und machten uns auf in Richtung Stekenjokk. Nach einiger Zeit fuhren wir ins Fjäll rauf und passierten die Grenze vom Lappland. Schneereste zeichneten die Region. Wir fuhren weiter bis Klimpfjäll und betrachteten den Ort, an dem wir im letzten Jahr umkehren mussten. Nach einigen Minuten stellten wir fest, dass Klimpfjäll trotz seiner wenigen Einwohner über eine hervorragende Infrastruktur und sogar über ein Hotel verfügte.

In Fatmomakke machten wir den nächsten Zwischenstopp. Fatmomakke ist ein altes samisches Dorf, was nun als Museum fungiert. Von der Lappkåta über alte Kirchen war hier alles zu besichtigen. Es ging weiter in Richtung Vilhelmina, wo wir den Vildmarksvägen verließen und uns wieder auf die E 45 (Inlandsvägen) in Richtung Norden machten. Ca. 150km später hatte ich Kaffesugen (schwed. für Kaffeedurst), ich weckte die mittlerweile eingeschlafene Andrea, um den Kaffee in einem urigen Laden zu trinken. Nach der Stärkung ging es weiter Richtung Arvidsjaur. Wir waren wirklich überrascht.

Arvidsjaur ist eine wirklich sehr hübsche Stadt. Kurz wieder den Tank vollgemacht, dann ging es die letzten Kilometer in Richtung Jokkmokk. Mittlerweile erstrahlte das Lappland in seiner vollen Pracht, endlich war die Sonne auch wieder zu sehen. Wie wir feststellten, ist der Himmel im Lappland türkis, nicht blau, wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Kurz vor Jokkmokk machten wir einen Stopp, um auszusteigen und den Polarkreis zu Fuß zu passieren. In Jokkmokk checkten wir auf einem Campingplatz ein, gingen noch kurz einkaufen und aßen eine Pizza bei einem Glas Bier. Den Abend ließen wir mit einigen Moskitos ausklingen.


14.06.2011 - Von Jokkmokk nach Narvik

Um 9 Uhr ging der Tag in Jokkmokk für uns los. Die ganze Nacht war es nicht dunkel geworden, es dämmerte lediglich ein wenig. Erstmal haben wir eine Dusche genommen, die chemische Toilette geleert und unsere Wasservorräte aufgefüllt. Dann ging es zurück zum Polarkreis, den wir gestern Abend passiert hatten. Wir wollten unbedingt noch ein Zertifikat erwerben. Den Zertifikatkauf zelebrierten wir bei einer Tasse Kaffee. Dann sind wir nach Jokkmokk zurückgefahren und suchten einen Geldautomaten, was sich gar nicht so leicht gestaltete. Irgendwann fanden wir ihn und sind dann ins Ajtte, ein samisches Museum in Jokkmokk. Hier konnte man viel über die Samen erfahren, von der Geschichte bis zur Gegenwart. Im Anschluss gingen wir in das dem Museum angegliederte samische Restaurant, wo es geräuchertes Rentierfleisch mit Kartoffeln und einem undefinierten Gemüse gab. Hmm, lecker.

Dann machten wir uns auf – über Gällivare nach Kiruna. Zwischendurch mussten wir mehrfach anhalten, damit die auf der Straße laufenden Rentiere sich langsam davonmachen konnten. In Kiruna angekommen suchten wir das Turistenbüro auf, um uns mit Informationsmaterial zu versorgen, wie wir es zuvor auch in Gällivare taten. Kiruna ist eine eher häßliche Grubenstadt, die sich nahezu komplett dem Bergbau widmet. Kurz getankt, dann ging es weiter nach Abisko, wo wir schonmal den Start des Kungsledens begutachteten, auf dem wir bald unsere einwöchige Trekkingtour machen werden. Der Campingplatz in Abisko war enttäuschend, so dass wir weiterfuhren. Leider bot sich keine gute Gelegenheit für’s Campen mehr, ständig waren die Plätze an der Straße von Deutschen und Holländern belegt. Bald erreichten wir die norwegische Grenze und überlegten, ob wir unseren Alkohol am Zoll anmelden sollten. Hmm, Risiko, wir sind einfach durchgefahren. Glück gehabt! Dann weiter in Richtung Narvik, wo wir die Mitternachtssonne in vollen Zügen in unseren Campingstühlen mit Moskitonetzen über unseren Köpfen direkt am Fjord genießen konnten. Um 23.30 Uhr ging es dann bei Tageslicht in die Heia.


15.06.2011 - Lofoten

Morgens sind wir direkt am Fjord wieder aufgewacht, die Sonne schien immer noch. Für uns gab es nun einen von mir gekochten, unglaublich starken Kaffee, dann ging es weiter nach Narvik. Dort hielten wir an der hiesigen Touristeninformation, um uns mit Informationsmaterial zu versorgen. Danach ging es in ein Einkaufszentrum, wo wir in der Apotheke Zeug gegen Mücken, Kontaktlinsenpflegemittel und einen UMTS-Stick von Telenor für Norwegen erwarben. Kurz getestet, alles hat funktioniert. Prima! Von Narvik sind wir dann zur Raftsundbrücke gefahren. Der Raftsund ist schmaler Kanal zwischen zwei Inseln der Lofoten. An der Seite befinden sich bis zu 1000m hohe Berge, eine sehr beeindruckende Laune der Natur. Auf der Raftsundbrücke haben wir kurz angehalten, einige Fotos gemacht und sind dann nach Süden Richtung Digermulen gefahren. Die Strecke führt direkt am Raftsund entlang. Wir mussten bestimmt 20 Mal halten, da wir Fotos machen wollten. Bei Tennstrand hielten wir an und gingen direkt an den Raftsund ran, denn zwischen 16.30 Uhr und 17.00 Uhr sollte ein Hurtigrutenschiff den Raftsund passieren und seine Drehung vor dem Trollfjord machen. Und natürlich kam es auch. Lange rätselten wir, welches Schiff es wohl sei, es war auf jeden Fall ein Schiff der 90er Jahre Klasse. Wir hofften natürlich auf „unsere“ Polarlys, mit der wir letztes Jahr die Hurtigrutenreise unternahmen. Es war dann das Schwesterschiff, die Nordlys. Nach unzähligen Fotos fuhren wir weiter nach Süden, um bei Digermulen die Landschaft zu genießen. Dann ging es wieder nach Norden, über die Raftsundbrücke Richtung Svolvær. Kurz vor Svolvær hielten wir auf einem Campingplatz, um den Tag ausklingen zu lassen.


16.06.2011 - Von Svolvær bis Andenes

Nach einem kleinen Frühstück haben wir uns dann wieder auf die Straße gemacht, bis Svolvær waren es nur noch ein paar Kilometer. Dort haben wir natürlich zuerst die Anlegestelle der Hurtigruten besichtigt. Von dort aus gab es noch einen kleinen Stadtrundgang, gegen Mittag ging es dann weiter. Wir sind nach Norden über Laukvika zum Grunnførfjord gefahren, wo wir einige tolle Fotos gemacht haben. Weiße Sandstrände bei halbwegs warmem Wasser, auf den Bergspitzen Schnee, ja das ist Norwegen. Ein Land der Gegensätze. Wir sind dann die zerkluftete Küste weiter bis Fiskebøl gefahren, wo wir mit der Fähre nach Melbu auf Hadseløya übersetzen wollten. Da unser Wohnmobil 6,03m lang ist, und damit leider 3cm länger als erlaubt, sollte dies ein teurer Spass werden, aber der Fährmann war gnädig, so bezahlten wir nur 129 Kronen. Dann ging es nach Stokmarknes, wo wir erneut ein Hurtigruten Schiff sahen. Das Hurtigruten Museum besuchten wir dieses Mal nicht, wir kannten es noch vom letzten Jahr. Von Stokmarknes ging es über Sortland auf die Langøya bis Andenes, dem nördlichsten Punkt der Vesterålen. Hier soll morgen eigentlich unsere Walsafari starten. Wegen des starken Windes ist es jedoch noch nicht klar, ob diese stattfinden kann. Wir hoffen einfach das Beste! Auf einem Parkplatz mitten in Andenes stellten wir unser Wohnmobil auf und gingen in einem ICA einkaufen - eine lokale Spezialität, Stockfischsnacks. Es sieht aus wie Sägemehl….


17.06.2011 - Von den Vesterålen bis nach Tromsø

Schon sehr früh klingelte unser Wecker. Wir wollten ja schließlich die Walsafari machen, dafür ist Andenes schließlich bekannt. Pünktlich waren wir da, jedoch mussten wir warten. Der Captain war sich noch nicht sicher, ob die See nicht zu rauh sei. Um 9.15 Uhr dann die Gewissheit: Heute fahren keine Boote, das Meer ist einfach zu unruhig, auf See braue sich ein Sturm zusammen. Ein Anruf in Stø ergab, dass die ihre Walsafaris wegen des Wetters für die ganze Woche gecancelled hatten. Etwas enttäuscht machten wir uns dann auf die Weiterfahrt. Da das Wetter jedoch wieder perfekt war, war alles bald vergessen. In Bardu besuchten wir den Polar Zoo, den nördlichsten Zoo der Welt. Hier gab es Elche, Schneefüchse, Moschusochsen, Rentiere, Luchse und Salt&Peppar. Das sind zwei kleine Bärenbabys, eines weiß, eines schwarz. Die Eltern waren natürlich auch dabei. Insgesamt ein wirklich toller Zoo. Im Wohnmobil aßen wir dann erstmal etwas, es war mittlerweile 16h geworden und der Hunger machte sich breit. Weiter ging es durch eine wunderschöne, zerklüftete Landschaft nach Tromsø. Zwischendurch hielten wir in Risøyhamm, wo wir letztes Jahr mit den Hurtigruten hielten. In Tromsø angekommen wollten wir auf den hiesigen Campingplatz fahren, wo uns eine freundliche Dame mitteilte, dass alle Plätze belegt seien. Auf einem kleinen Parkplatz sahen wir bereits einige Wohnmobile und gesellten uns dazu. Hier hatten wir Blick auf die Ishavkatedralen (Eismeerkathedrale) und die Tromsøysundbrücke. Viel besser als der Campingplatz! Um 22.30 Uhr gingen wir dann bei Mitternachtssonne noch zur Kathedrale und über die Tromsøysundbrücke und machten bei dem stimmungsvollen Licht noch einige Fotos.
Jetzt kam die beste Aktion: Wir brauchten Wasser. Ein netter Mann aus Koblenz verriet uns einen Trick: auf dem benachbarten Friedhof gäbe es zum Bewässern der Pflanzen Wasser. Darauf wäre ich ja nie gekommen…Im Schutze der Dunkelheit….nein, das wäre toll gewesen. Bei taghellem Licht gingen wir mit unserem Kanister um 23.30 Uhr auf den Friedhof, um uns Wasser zu holen, welches wir dann ins Wohnmobil einfüllten. Dann noch ein Weinchen und ab ins Bett.


18.06.2011 - Tromsø

Heute haben wir etwas ausgeschlafen. Ich bin jedoch schon um 9 Uhr wach gewesen, weil die Innentemperatur des Wohnmobiles 27°C überschritten hatte. Also erstmal aufgeräumt, alles fertig gemacht und Kaffee getrunken. Dann haben wir es uns vor dem Wohnmobil gemütlich gemacht und uns etwas gesonnt. Heute sollte es eine Städtereise werden. Als erstes sind wir ins Polaria gefahren. Das Polaria ist ein arktisches Erlebniszentrum, das aussieht, wie einige Eisschollen, die an Land aufeinander geschoben wurden. Im Inneren hab es wirklich viel zu sehen: Robben und kleinere Meerestiere, denen man wirklich sehr nahe kommen konnte. Die Krönung war ein Film über Svalbard (Spitzbergen), der in einem großen Kino im Superbreitbild gezeigt wurde und einen einmaligen Hubschrauberrundflug über Svalbard beinhaltete. Als wir wieder draußen waren, sind wir zur Mack Brauerei gegangen (nördlichste Brauerei der Welt) und haben uns dort mit einigen Souvenirs eingedeckt :)
Ein Stopp auf einem Coop Parkplatz, um dort Mittag zu essen und einzukaufen, war obligatorisch.
Auf einmal trötete es laut. Das im Hafen anliegende Hurtigrutenschiff lief aus dem Fjord aus. Leider hatten wir es vorher gar nicht bemerkt. Wir fuhren noch einige Zeit hinterher und stellten dann das Wohnmobil bei der Ishavkatedralen (Eismeerkathedrale) ab, um diese zu besichtigen. Diese war aufgrund einer Hochzeit leider zu. Dann sind wir mit einem Bus ins Zentrum gefahren und haben uns dort auf einem Markt umgesehen. Plötzlich stand sie vor uns - eine kleine Bimmelbahn. Für 200 Kronen saßen wir auch schon drin und los ging eine Stadtrundfahrt durch Tromsø. Tromsø ist nicht besonders groß, hat aber viel zu bieten. Eine wirklich tolle Stadt, die auch das “Paris des Nordens” genannt wird. Woran das wohl liegt… ;) Hier pulsiert das arktische Leben…
Nach der Stadtrundfahrt ging es dann über die Storgata (große Straße), die Haupteinkaufsstraße in Tromsö. Ein kurzes Mackøl (Bier) im Biffhuset, eine tolle Kneipe, die früher eine Butterfabrik war. Dann wollten wir mit der Linie 26 zurück zur Ishavkatedralen und stiegen natürlich in die falsche Fahrtrichtung ein…warum auch fragen… ;)
Also gab es eine zweite Stadtrundfahrt für uns, die an der Ishavkatedralen endete. Diesmal war sie offen. Eine wirklich beeindruckende Kirche. Sie ist komplett weiß und aus verschiedenen Platten so erbaut, dass durch die Ritzen die Mitternachtssonne direkt auf das bunte Glas fallen kann. Ein tolles Schauspiel. Nach der Besichtigung sind wir dann auf einem Campingplatz eingecheckt, wo wir erstmal Wäsche gewaschen haben und selbstgemachte Hamburger aßen. Danach ging es dann auf den Berg Fjellheisen, auf dem eine Aussichtsplattform über Tromsø gebaut ist. Bequem ging es um 23h mit der Seilbahn nach oben. Von hier aus hatte man eine wirklich atemberaubende Aussicht über den Tromsøfjord bei Mitternachtssonne. Wir blieben etwas, dann ging es wieder runter und ins Bettchen, da wir morgen noch eine lange Fahrt nach Hammerfest vor uns haben.


19.06.2011 - Von Tromsø nach Hammerfest

Am Morgen sind wir auf dem Campingplatz aufgewacht, dann ging es erstmal unter die Dusche. Auf dem Weg dorhin bewunderte ich einen amerikanischen Riesencamper, der einem Norweger gehörte. Es handelte sich dabei um einen echten Truck, der einen ca. 20m langen Campingwagen zog. Dieser ließ sich auch quer nochmal ausfahren, so dass man bestimmt 50 m² Wohnfläche hatte. Dann gab es noch einen Kaffee und los ging es auf unsere lange Reise nach Hammerfest. Die Straße führte uns an wunderschönen Fjorden vorbei, das Wetter war toll und wir hatten viele “Postkartenmotive”. Ständig hielten wir an, um Fotos zu machen. Es war eine wirklich traumhafte Route. Zum Mittag hielten wir auf einem Rastplatz an und kochten uns eine Ochsenschwanzsuppe, dazu gab es Polarbröd. Dort trafen wir einen ca. 65 Jahre alten Österreicher, dem wir einen Kaffee spendierten. Er war von Österreich aus mit dem Fahrrad bis zum Nordkapp gefahren und befand sich nun auf dem Rückweg. Unglaublich! Weiter ging es dann durch die norwegische Finnmark, den nördlichsten Landesteil. Wir fuhren durch ein sehr beeindruckendes Fjell, die Sami hatten hier viele Rentierherden und Häuser. Die Weitläufigkeit war wirklich unbeschreiblich schön.

Gegen 21 Uhr erreichten wir endlich Hammerfest, wo wir zunächst einen Parkplatz für die Nacht suchten. Dies gestaltete sich leider sehr schwer, da Hammerfest an einer Seite am Meer liegt und an der anderen Seite im Berg. Die Stadt ist lang und nur ca. 300m breit. Überall Halteverbote. Auf einem Supermarktparkplatz hielten wir, um uns etwas zu kochen. Da es dort jedoch zu laut war, fuhren wir erstmal in die Stadt, um den Zickzackweg nach Salen zu gehen. Das ist ein Berg, der über Hammerfest ist und einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und die Mitternachtssonne bietet. Nach dem schweißtreibenden Anstieg um 22.30 Uhr waren wir endlich oben und schossen unsere Fotos. Dann ging es wieder runter. Wir suchten verzweifelt einen Parkplatz, was sich schwerer gestaltete als gedacht. Gegen 0 Uhr fanden wir endlich einen Campingplatz, auf dem wir einchecken konnten. Den Tag feierten wir bei einer Dose Norrlands Guld (Bier).


20.06.2011 - Die Reise zum nördlichsten Punkt Europas

Am Morgen sind wir auf dem Campingplatz aufgewacht und haben uns nach einem Kaffee in die Stadt gemacht. Hammerfest ist die nördlichste Stadt Europas und beherbergt ca. 9000 Einwohner. Die Infrastruktur ist jedoch, wie in allen skandinavischen Städten, sehr gut. In der Stadt sahen wir, dass die MS Mitnattsol von den Hurtigruten anlag. Ein Schiff der neuesten Generation. Wir sind gleich zur Gangvei gegangen und haben gefragt, ob wir das Schiff besichtigen können. Die nette Dame drückte uns sogleich einen Gästepass in die Hand. 1 Stunde hatten wir Zeit und besichtigten das Schiff, welches doch um Einiges größer war als “unsere” Polarlys. Durch die Größe und das reichhaltige Platzangebot verlief es sich auf dem Schiff jedoch so, dass man nicht das Gefühl hatte auf einem deutlich größeren Schiff zu sein. Andrea musste dann auch gleich die roten Kaffeetassen der Mitnattsol kaufen. Die gab’s natürlich nur im Kaffeepaket und schon waren 430 (!) Kronen weg. Danach haben wir den Isbjørnklubb von Hammerfest besichtigt, in dem wir auch schon letztes Jahr waren. Im Anschluss noch kurz in die Kirche, dann nochmal rauf nach Salen für einige Fotos.
Aufgrund des Wetterberichtes entschieden wir uns, nicht nach Havøysund, sondern zuerst zum Nordkapp zu fahren, was sich noch als sinnvolle Entscheidung herausstellen sollte.
Also ab zum Nordkapp, welches man über eine unglaublich kurvige Straße erreichen konnte. Das Nordkapp liegt auf der Insel Magerøy, welche für ihr schlechtes Wetter bekannt ist. Der Nordkappfelsen liegt fast immer im Nebel. Doch wir hatten Glück. Die Temperatur war hier auf 5°C gesunken. Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir das Nordkapp erneut, wo wir einige Fotos schossen und uns im Kino einen tollen Film mit Impressionen über die Region anschauten. Dann sind wir einige Kilometer zurückgefahren, um den wirklich nördlichsten Punkt Europas zu besuchen.
Das Nordkap liegt auf einer Insel bei 71° 10′ 21” nördliche Breite, nämlich der Insel Magerøy und ist dort auch nicht der nördlichste Punkt, denn der Felsen Knivskjellødden, westlich vom Nordkap auf Magerøy gelegen, reicht ein paar Meter nördlicher bis auf 71° 11′ 08” nördliche Breite. Dieser Felsen ist aber flacher und nicht so schön wie das 307 Meter hohe Nordkap. Aber da mussten wir natürlich hin. Dieser Punkt war nur über eine beschwerliche, ca. 8,5km lange Wanderung zu erreichen. Um 20h sind wir gestartet. So bekam man einen wirklich guten Eindruck der norwegischen Finnmark. Kalt, windig und karges Land, geprägt durch Felsen, Moose und Erosionen. Gegen 22.30 Uhr erreichten wir ihn dann, den nördlichsten Punkt Europas und bekamen einen wirklich einmaligen Ausblick auf den Nordkappfelsen, der mittlerweile teilweise im Nebel lag, und auf die Mitternachtssonne geboten. Der nochmal 8,5 km lange Rückweg war dann deutlich beschwerlicher. Es ging unaufhörlich nach oben und der Wind wurde mitten in der Nacht immer stärker, so dass gerade die letzten 3 Kilometer sich als sehr beschwerlich herausstellen. Irgendwann machte sich die Uhrzeit im Körper dann doch bemerkbar und wir erreichten unser Wohnmobil gegen 2.00 Uhr morgens und fielen erschöpft ins Bett. Aber es sollte anders kommen. Die Temperatur war mittlerweile so stark gesunken, dass die Innenraumtemperatur des Wohnmobiles unter 10°C gefallen war. Eine normale Decke reichte hier nicht aus, wir froren sehr stark. Also nochmal raus, hinten aus dem Kofferraum unsere “Arctic Extreme”-Schlafsäcke geholt und schon wurde es wärmer. Dann schliefen wir endlich ein.


21.06.2011 - Unsere Reise nach Havøysund

Als wir auf dem Parkplatz aufwachten, war es bitterkalt. Die Finnmark war heute von starkem Wind, Regen und Nebel geprägt. Und ich rede hier nicht von einem Lüftchen, es war sturmartiger Wind. Das Wohnmobil wackelte unaufhörlich. Erstmal nen Kaffee. Dann sind wir aber auch gleich los und sind nach Skarsvåg gefahren, einem der drei Orte auf der Insel Magerøy. Dort gibt es das “Julhus”, zu deutsch “Weihnachtshaus”. Ein wirklich schrulliges Haus, wo man das ganze Jahr über Weihnachtsartikel kaufen kann, alles übertrieben weihnachtlich geschmückt ist und man weihnachtlichen Zimtkuchen essen konnte. Naja, es waren ja auch nur 5°C, also warum kein Weihnachten im Juni. Der Kuchen und der Kaffee waren lecker. Es brauchte für uns aber eingige Vorstellungskraft, wie die Leute hier so leben. Im Winter sind alle Orte nur über Kolonnenfahrten erreichbar. Alle 3 Stunden fährt ein Schneepflug vor, die Autos hinterher, danach ist die Straße wieder verschneit. Schnee liegt hier von Oktober bis Juni. Danach haben wir dann Honnigsvåg besichtigt. Dort lag die MS Nordnorge an. Wir haben kurz das Stadtzentrum besichtigt und einige Souvenirläden. Dann machten wir uns auf den Weg nach Havøysund. Es regnete unaufhörlich und der Wind war wirklich unbeschreiblich. Es war schwierig das Wohnmobil auf der Straße zu halten. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt mussten wir anhalten, da sich die Anstrengungen der gestrigen Nacht doch noch bemerkbar machten. Eine einstündige Siesta verhalf uns wieder zu neuem Leben. Dann sind wir über eine kurvige und sehr windige Strecke nach Havøysund gefahren. Die Natur der Finnmark bekommt man hier wirklich hautnah zu spüren. In Havøysund haben wir uns auf einen Parkplatz an den Hafen gestellt und nach den gestrigen Erfahrungen sofort die Heizung des Wohnmobils angestellt.


22.06.2011 - Die Polarlys und der Weg nach Süden

Wir haben tief und fest geschlafen. Um 8 Uhr morgens wurden wir durch ein unglaublich lautes Horn geweckt. Es war ein Hurtigruten-Schiff. Im Halbschlaf bekam ich nur mit, dass es einige Minuten später ein zweites Mal ertönte, dann schlief ich weiter. Wie ich später erfuhr, war es die MS Nordnorge. Um 10 Uhr sind wir dann aufgestanden, wir hatten noch einen langen Tag vor uns. Als ich mich gerade fertig gemacht hatte, ertönte erneut ein lautes Horn. Ich ging sofort raus und bei genauerem Hinsehen sah ich sie, die MS Polarlys. Unser Schiff! Ich holte Andrea sofort aus dem Wohnmobil und wir beobachteten das Anlegen, wie sie im Hafen lag und wie sie wieder fuhr. Toll, da wurden wirklich alte Erinnerungen wach. Das Schiff unserer Hochzeitsreise! Dann ging es in Havøysund rauf zum Windpark, von dem man einen herrlichen Blick über die Stadt hatte. Es war schon erstaunlich, gestern noch ein stürmisches Wetter, heute strahlender Sonnenschein. Kurz noch etwas eingekauft, dann ging es los, heute sollte es wieder nach “Süden” gehen. Unsere Route führte uns über Alta und Kautokeino durch die norwegische Finnmark. Solche Weiten kann man sich gar nicht vorstellen. Hunderte von Kilometern nur Wald und Wiesen. Zwischendurch gab’s leckere Chili-Hotdogs von der Tankstelle. Die 93 führte uns nach Finnkand über Enontekiö zur schwedischen Grenze bei Kaaresuvanto, über Vittangi nach Kiruna. Dort checkten auf einem Campingplatz ein.


23.06.2011 - Vorbereitungen

Der Tag stand im Lichte der Vorbereitungen für unsere Trekkingtour durch den Nationalpark von Abisko. Dies ist ein riesiger Nationalpark, der durch den Gebirgszug Lapporten geht. Morgens haben wir erstmal anständig ausgeschlafen, die nächsten Tage werden anstregend sein. Das Camp Ripan in Kiruna ist wirklich empfehlenswert. Erstmal einen Kaffee getrunken, dann ging es in die Stadt zur Turist Information. Dort erwarben wir noch eine Wanderkarte für unsere Strecke von Abisko nach Nikkaluokta und informierten uns über eine Grubentour, die vom Bergbauunternehmen LKAB angeboten wird. Dann noch eine Flasche Wein im Systembolaget (staatl. Alkoholgeschäft) gekauft und weiter zum Bahnhof, wir wir die Zugfahrkarten nach Abisko für den nächsten Tag kauften. Später noch zur Tankstelle, um Spiritus für den Kocher zu kaufen, dann ging es zurück ins Camp. Wir trafen dort noch einige nette Camper aus Paderborn und ließen den Tag bei der gekauften Flasche Wein ausklingen, nachdem wir über eine Stunde lang unsere Rucksäcke für die Tour packten. Meiner war 20kg schwer, der von Andrea 16kg.


24.06.2011 - Trekkingtour - Von Kiruna über Abisko nach Abiskojaure (14km)

Um 8.45 Uhr klingelte der Wecker. Heute war der Tag gekommen, auf den wir uns lange gefreut und vorbereitet hatten. Um 9.00 Uhr bestellten wir für 9.30 Uhr das Taxi zum Bahnhof. Nach einer weiteren Nachfrage kam es dann um 9.45 Uhr. Typisch Schweden! Um 10.32 Uhr sollte der Nattåg (Nachtzug) von Stockholm eintreffen und weiterfahren nach Abisko. Um 10.20 Uhr erschien auf der Anzeigetafel eine Verspätung auf 11.25 Uhr. Wir wurden immer weiter vertröstet und um 12.05 Uhr kam er dann endlich. Vorher holte ich uns noch Kaffee und Hamburger. Kurz vor Abisko stoppte der Zug. Eine Durchsage teilte uns mit, dass Steine auf der Strecke liegen sollten. Gott sei Dank ging es nach 20 Minuten weiter, so dass wir kurz nach 14.00 Uhr mit einiger Verspätung starten konnten. Der erste Schritt führte durch das Tor des Kungsleden. Der Weg führte uns den ganzen Tag an einem Fluss entlang durch einen schönen Birkenwald. Unterwegs trafen wir einige weitere Wanderer und nach 14km erreichten wir gegen 18.00 Uhr Abiskojaure. 200 Kronen später hatten wir unseren Zeltplatz und unterhielten uns noch mit einigen weiteren Wanderern, einem deutsch-französischen Pärchen aus Malmö und einem weiteren deutschen Wanderer, der seine Frau und seine Kinder in einer Stuga (Haus) in Göteborg gelassen hatte und hier nun alleine eine Woche trekken wollte.


25.06.2011 - Von Abiskojaure bis kurz vor Alesjaure (18,5km)

Am Morgen sind wir gegen 8 Uhr in Abiskojaure aufgewacht. Wir haben das Zelt abgebaut und einen Müsli mit Milch aus Milchpulver gefrühstückt. Dann haben wir uns auf den Weg nach Alesjaure gemacht. Am Anfang ging der Weg weiter durch den Birkenwald, bis wir einen starken Anstieg erreichten. Nachdem wir diesen mühevoll gemeistert hatten, führte uns der Weg lange durch eine Landschaft, die durch Buschwerk geprägt war. Unterwegs sahen wir viele mausartige fellige Tiere, die aussahen wie eine Mischung Maus und Hamster. Später passierten wir Wiesen, die durch Rentiergatter abgetrennt waren. Dort befand sich auch ein Hinweis, dass das Boot, welches zur Abkürzung der Strecke genutzt werden kann, leider erst am 4. Juli fährt. Am Bootssteg angekommen führte uns dann der Weg ca. 5km durch Steine und Geröllfelder. Das hört sich nicht schlimm an, aber wer schonmal 5km nur über Steine gegangen ist, weiss, wovon ich spreche. Es fühlt sich an wie 5km Treppensteigen mit 20kg auf dem Rücken. Mein Knie tat so sehr weh, dass die letzten Kilometer zur Qual wurden. 1,5 km vor Alesjaure schlugen wir unser Zelt an einem See auf und schliefen ohne Abendessen um 20h sofort ein.


26.06.2011 - Von Alesjaure bis über den Tjäktja-Pass (21,5km)

Nach ca. 11 Stunden (!) Schlaf und einer herrlichen Nacht erwachten wir. Wir gingen die letzten Kilometer bis Alesjaure und frühstückten einen Kaffee, Cola und Kekse. Dann ging es weiter in Richtung Tjäktja-Hütte. Nach einer andauernden, aber moderaten Steigung im Hochtal erreichten wir die Tjäktja-Stuga. Vorher durchwateten wir einen Fluss, da wir die Brücke, die sich hinter den Schneemassen verbarg, leider übersahen. Leicht nasse Füße waren die Folge. Dadurch sparten wir uns zumindest ca. 1km Umweg :)
An der Hütte wurden wir von einer netten Schwedin mit einem Lingonsaft empfangen. Die Tjäktja-Hütte ist eine sehr kleine Hütte, die über wenig Ausstattung verfügt und an einem Bergrücken erbaut wurde. Wir rasteten und genossen den Ausblick auf das Tal und den soeben gemeisterten Anstieg. Heute gab es Nudeln in Bolognese Soße, die wir in unserem Trangia Kocher zubereiteten.

Nach einer einstündigen Rast verließen wir die Stuga gegen 16.30 Uhr in Richtung Tjäktja-Pass, dem höchsten Punkt unserer Reise. Es ging durch eine Landschaft, die aussah, als wäre ein Meteorit eingeschlagen. Über tausende von Steinen und Unmengen von Schnee bahnten wir uns dem 4km langen Weg zum Pass. Nach 2 Stunden und 20 Minuten erreichten wir die Passhütte und rasteten kurz. Wer jetzt denkt, dass 4km ja nichts sind, kann gerne mal eine Wanderung durch Geröllfelder im schwedischen Hochfjäll einige hundert Kilometer des Polarkreises ausprobieren. Dann folgte ein äußerst mühsamer Abstieg durch Steine und Schnee. Wir schätzten die Situation leider falsch ein und machten unsere Gamaschen nicht über die Stiefel, so dass wir durch die Flüsse von Tauwasser und Schnee leider schnell klaschnasse Füße hatten. Andrea fiel an diesem Tag 9 Mal hin und verletzte sich das Knie. Hoffentlich wird es morgen besser. Nach weitern 4km in Richtung Sälka trafen wir den Wanderer mit der Frau in Göteborg wieder. Er hieß Philipp. Wir sprachen über die Vögel, die uns am Vortag angegriffen hatten und über die mausartigen Tiere. Philipp erzählte uns, dass dies Berglemminge seien. Nun gut, wir hatten ja nie einen gesehen, aber jetzt dafür hunderte. Wir schlugen unser Zelt neben seinem auf, einen andern Platz gab es durch die Schmelzwasserflüsse eh nicht, da der ganze Untergrund durchfeuchtet war. Unsere Schuhe waren völlig durchnässt.


27.06.2011 - Über Sälka nach Singi (18km)

Schon in der Nacht bemerkte ich den Regen. Als wir aufwachten lagen die Berge in dichtem Nebel. Der Himmel war grau und es regnete. Schnell räumten wir unsere Sachen ein und zogen die Regenkleidung an. Draußen haben wir schnell das Zelt abgebaut, ein Robens Green Hawk, was ich wirklich jedem Trekker empfehlen kann, der ein leichtes Trekkingzelt für 2 Personen braucht. Den starken Wind hatte es mühelos geschafft. Wir wechselten noch ein paar Worte mit Philipp, dem die Schuhe kaputt gegangen waren. Wir versorgten ihn noch mit Blasenpflastern. Ohne Frühstück ging es los nach Sälka. Der Himmel riß auf und nach 5 langen, steinigen Kilometern erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein Sälka, wo wir zuerst die Regenkleidung ablegten und die Schuhe auszogen, da diese in der letzten nacht nicht trocken geworden waren. Wir kauften das beste Knäckebrot Schwedens (Leksands Knäcke Brungräddat), Salami und Cola. Das war unser Frühstück, lecker! Dann kam Philipp und wir unterhielten uns noch kurz.

Der Weg sollte uns nun nach Singi führen. Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir durch ein hügeliges, von Gras bewachsenes Tal, welches von hohen, mit Schnee besetzten Bergen, umrundet war. Ein tolles Panorama! Wir sahen mehrere Herden von Rentieren auf dem Weg, die von den Sami (Ureinwohner) gepflegt wurden. Der Weg war teils noch steinig, im Großen und Ganzen aber angenehm. Nach ca. 6 km sahen wir Philipp mit Sandalen durch einen Fluss waten, besser gesagt, er versuchte es. Den Grund sahen wir gleich, die Brücke war fast komplett von den Wassermassen weggerissen worden. Ich war aber der Überzeugung, dass die Reste der Brücke trotzdem halten würden und versuchte es - es gelang! Wir waren auf der anderen Seite. Nach insgesamt 13km erreichten wir Singi, wo wir unsere Schuhe komplett trockneten und mal wieder Pasta aßen. Gab es ja heute Mittag erst, nur mit anderer Soße. Danach wuschen wir uns in einem 5°C kalten Fluss und legten uns in Singi ins Zelt. Wir hatten einen tollen Zeltplatz direkt am Fluss.


28.06.2011 - Von Singi nach Nikkaluokta (14+ Kilometer)

Der Morgen in Singi begann perfekt, so wie der gestrige Abend geendet hatte. Wir frühstückten die Reste des Knäckebrotes und der Salami. Dann packten wir unsere Rucksäcke und bauten das Zelt ab, während uns die Sonne auf die Gesichter brannte. Es ging einen steilen, steinigen Berg hoch. Die Steigung war nicht der Start, den man sich für einen Start in den Tag wüscht. Nach ca. 200 Höhenmetern war es geschafft und wir erreichten einen See in einem Hochtal. Über Steine ging es weiter. Andrea war mit ihren Kräften am Ende, biss aber die Zähne zusammen und es ging weiter. Diese angeblichen 14 km sollten der schlimmste Streckenteil werden. Ununterbrochen ging es über Geröllfelder, weil die Berghänge abgerutscht waren. Gegen die schlimmen Schmerzen im Fuß half Ibuprofen. Wie auch an den Tagen davor wurde ich von unzähligen Moskitos attackiert. Aber richtige Moskitos, nicht solche kleinen Mücken wie in Deutschland. Die Schwellungen um die Stiche sind erbsengroß. Insgesamt hatte jeder von uns bestimmt 20 Blutergüsse und ich hatte ca. 50 Moskitobeulen am Körper.

Über den Berg ging es dann leicht talabwärts zu einem Fluss. Ununterbrochen mussten wir Geröllfelder passieren. Dann fing es auch noch an zu regnen. Wir trafen auch eine Trekkinggruppe, die wir ein Stück begleiteten. Durch ein Tal ging es einige Kilometer weiter, bis wir den nächsten Berg hochmussten. Auch diesen passierten wir, mittlerweile hatte es sich eingeregnet, so dass wir wieder die Regenkleidung anzogen. Nach mehreren Stunden erreichten wir dann endlich die Kebnekaise Fjällstation und waren sehr überrascht. Dies war eine wahrhaftige Perle der Fjällwelt, ein Hotel mit Sauna, Café, usw. Wir entschieden uns den letzten Tag unserer Reise abzukürzen, da hier eine große Verlockung auf uns wartete. Es gab die Möglichkeit mit einem Hubschrauber nach Nikkaluokta zu fliegen. Da wir beide noch nie mit einem Hubschrauber geflogen waren, buchten wir einen Flug. Wir hatten Glück und saßen direkt vorne neben dem Piloten. Es war ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis. Wer noch nie Helikopter geflogen ist, sollte dies unbedingt tun. Völlig begeistert landeten wir nach einem viel zu kurzen Flug in Nikkaluokta, wo wir uns in eine kleine falunrote Stuga mieteten, um endlich wieder in einem Bett zu schlafen. Es war geschafft! Eine tolle Erfahrung, die wir auf jeden Fall wiederholen werden. Wir duschten ausgiebig und legten uns dann ins Bettchen. Vorher aßen wir noch Baguette mit Käse und Rentier in einem samischen Restaurant, dazu gab es ein schönes Bier. Wir entdeckten hier unser Interesse für samisches Essen.


29.06.2011 - Von Nikkaluokta nach Kiruna

Nach einer wundervollen Nacht erwachten wir in unserer Stuga. Ein Bett kann schon etwas Tolles sein! Wir packten die Rucksäcke und gingen in das samische Restaurant, wo wir eine Waffel mit Sahne und Hjortron (Moltebeeren) frühstückten. Dort sahen wir auch unseren Piloten vom Vortage. Dann fuhren wir mit dem Bus nach Kiruna. Er hielt am Bahnhof, von dem wir uns ein Taxi zum Camp gönnten. WIr gingen dann in die Stadt und buchten die Grubentour und kauften im Systembolaget noch etwas Wein und Hobgoblin Bier (lecker!). Zurück im Camp war dann die Wäsche dran. Es waren zwei Maschinen. In der Zwischenzeit führen wir zum Ica Kvantum, bei dem wir einige Einkäufe erledigten. Gegen abend regnete es sehr stark, so dass wir die Wäsche dann im Wohnmobil trocknen mussten. Bei einigen Weinchen ließen wir den Abend ausklingen.


30.06.2011 - Vittangi und Gällivare

Heute morgen wurden wir durch norwegische Kinder, die nichts besseres zu tun hatten, als um 8 Uhr Fußball zu spielen, geweckt. Es war unglaublich warm, schon heute morgen waren es 23°C. Wir aßen noch ein Tunnbröd (ähnlich wie ein Wrap) mit Salat, Soße und den Resten der selbstgemachten Burger von gestern. Dann fuhren wir nach Vittangi, wo es einen besonders tollen Elchpark geben sollte (www.moosefarm.se). Als wir ankamen, standen wir trotz “Geöffnet”-Schild vor verschlossener Türe. Wir riefen die Handynummer des Parkbesitzers an und er sagte, dass er gerade auf Tour wäre und in einer halben Stunde wieder da sei. Alles klar! Schön bei mittlerweile 29°C in den Schatten gesetzt. 29°C, und das hunderte Kilometer nördlich des Polarkreises. Das ist schon wirklich sehr ungewöhnlich.

Dann ging die Tour mit einem kleinen Film los, den ein Freund des Parkbesitzers über die Umgebung ca. 5km um Vittangi herum gedreht hatte. Er zeigte Gänse, Bären und Elche zu verschiedenen Jahreszeiten. Vorher unterhielten wir uns noch einige Zeit mit dem Parkbesitzer auf Schwedisch, der neugierig geworden war, wieso wir Schwedisch lernen. Dann ging es los. Es war ein wirklich besonderer Elchpark, man konnte direkt zu den Tieren. Es gab zwei kleine Elchkälber, die man streicheln konnte. Der 700kg schwere Elchbulle wurde von dem Parkbesitzer angelockt. Man konnte den Elch anfassen, fotografieren und streicheln. Er hatte sehr öliges Fell, so dass wir nach kurzer Zeit fettige Hände hatten. Er erzählte uns noch einiges über Elche und wir bewunderten die schönen Tiere aus nähester Nähe. Die enorme Hitze machte den Elchen sichtlich zu schaffen. Seit 10h hatten sie schon über 100l Wasser getrunken und schnauften. Nach dem Park ging es für uns weiter nach Gällivare, wo wir eine kurze Stadtbesichtigung machten und uns schwedische Kinderbücher kauften ;-)
Danach fuhren wir wieder zurück nach Kiruna und kauften noch etwas Lättöl (Dünnbier) für den Abend und ließen ihn im Camp Ripan ausklingen.


01.07.2011 - Aus der Grube zu Ikea

Der Morgen begann für uns sehr früh, schon um 7 Uhr. Wir haben noch schnell einen Kaffee getrunken und sind dann in die Stadt gegangen, um unsere Grubentour beim Bergbauunternehmen LKAB zu machen. LKAB bedeutet Luossavaara-Kiirunavaara Aktie Bolag. Luossavaara und Kiirunavaara sind zwei Berge, die im schwedisch Lappland stehen. Luossavaara bedeutet Lachsberg, weil es in den Seen um den Berg soviele Lachse gab. Kiirunavaara bedeutet Schneehuhn, weil es auf dem Berg viele Schneehühner gab. Diese Namen klingen nicht sehr schwedisch, sind sie auch nicht. Das ganze schwedisch Lappland ist von Namen der Ureinwohner Sami geprägt. Zwischen den beiden Bergen wurde dann Kiruna errichtet, da in diesen Bergen eine Eisenader von ca. 2,5km Tiefe und 100m Breite entdeckt wurde. Kiruna bedeutet also nicht anderes als Schneehuhn. Die Tour begann dann um 9 Uhr und wir wurden in einen Buss verfrachtet, der uns mehrere hundert Meter unter die Erde brachte. Dort wurden wir von einer deutschsprechenden Schwedin herumgeführt, die uns den Erzabbau und die Verarbeitung zu Pellets erklärt hat. LKAB ist ein global führender Hersteller für Pellets aus Magnesit. Der Erzabbau hatte als Tagebau begonnen und das Erz wird ab 2013 dann über einen Kilometer unter der Oberfläche abgebaut. Fast der ganze Abbauprozess wird ferngesteuert. Bei LKAB erfuhren wir auch, dass das neue Hauptniveau ab 2013 in ca. 1km Tiefe die Stadt Kiruna beeinträchtigen wird. Die Erzader verläuft schräg unter Kiruna und auf einer Seite ist das Gestein bereits jetzt porös und wird sich mit dem nächsten Abbauniveau verschlechtern, so dass die Stadt einige Kilometer verlegt werden muss. Das bedeutet in den nächsten 20 Jahren eine Umsiedlung für ca. 3000 Menschen. Die Kosten hierfür muss LKAB tragen.

Nach der Grubentour ging es dann zum Camp Ripan zurück, wo wir uns für die Reise fertig machten und auscheckten. Wir fuhren dann gen Süden, wo wir den Polarkreis erneut passierten. Wir bogen dann nach Haparanda an der finnischen Grenze ab, um dem nördlichsten Ikea der Welt einen Besuch abzustatten. Haparanda ist eine wahre Shoppingmetropole, die mit seinen 5000 Einwohnern hunderte von Geschäften hat. Liegt wahrscheinlich an der Grenznähe zum deutlich teureren Finnland. Jetzt übernachten wir mit unserem Wohnmobil auf dem Ikea Parkplatz, um dort morgen früh für 10 Kronen zu frühstücken. So günstig gibt es das nicht mal im Supermarkt!


02.07.2011 - Von Haparanda nach Sävar

Heute morgen sind wir um 9 Uhr auf dem Ikea-Parkplatz aufgewacht. Um uns herum hatte sich eine komplette Stadt aus Wohnmobilen und Wohnwagen gebildet. Naja, wenn einer anfängt… Zum Frühstücken sind wir zu Ikea reingegangen. Der Ikea in Haparanda ist der nördlichste der Welt. Dort gab es für 10 SEK (ca. 1 Euro) 2 Brötchen mit Wurst, Käse und einen Kaffee. So günstig kann man es nicht mal im Supermarkt kaufen. Dann haben wir noch etwas getrunken und einen Muffin gegessen und haben einen kleinen Spaziergang durch den Ikea gemacht. Gekauft haben wir nur eine Lampe und eine Seife. Dann sind wir gegenüber zu einem Haglöfs Outlet Center gegangen. Hätten wir uns nicht letztes Jahr mit so guter Outdoor Ausrüstung eingedeckt, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen. Die Preise waren wirklich verlockend. Insgesamt besteht Haparanda offensichtlich primär aus Einkaufszentren und Outlet-Centern, damit die Finnen da ordentlich einkaufen können. Dann haben wir uns noch einen Fjäll-Räven Outlet-Store angeschaut.

Im Anschluss daran sind wir dann in ein großes Einkaufszentrum nach Finnland rübergefahren, wo wir feststellten, dass Finnland eine Stunde Zeitverschiebung hat. Finnland ist sehr teuer, ähnlich wie Norwegen, oder habt ihr schonmal das Billig-Toastbrot für 3,20 € gesehen? Wir haben uns noch den finnischen Alkoholladen “Alki” angeschaut, der aber keineswegs günstiger war als in Schweden. Gegen 13 Uhr haben wir uns dann Richtung Luleå aufgemacht, wo wir die Innenstadt besichtigten und die Gammelstad. Dies ist eine alte Stadt bestehend aus einer großen Kirche und vielen alten schwedischen Häusern. Die Gammelstad wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgewählt. Danach haben wir uns wieder auf die Autobahn gemacht, um noch ein paar Kilometer Richtung Süden zu kommen. Kurz vor Umeå, genauer gesagt in Sävar, haben wir unser Wohnmobil auf einem Rastplatz geparkt.


03.07.2011 - Der Weg nach Süden bis Södertälje

Heute ist eigentlich nicht viel Spektakuläres passiert. Wir haben ausgeschlafen, gefrühstückt und haben uns dann auf die Autobahn gemacht. Dann ging es auf der E4 in Richtung Süden, an Umeå, Sundsvall, Gävle, Uppsala und Stockholm vorbei. Kurz hinter Stockholm liegt Södertälje. Gern wollten wir auf einem Rastplatz campen, jedoch war dies aufgrund der Großstadtnähe nicht möglich, da sich die Rastplätze in Schweden nicht an den großen Städten befinden. Schließlich checkten wir am Campingplatz Farstanäs bei Järna nahe Södertälje ein.


04.07.2011 - Weiter gen Süden bis nach Lund

Soo, heute ist unser letzter Tag im schönen Schweden. Auch wenn wir morgen die Öresundbrücke wieder passieren und Schweden damit verlassen müssen, sind wir uns in einem völlig sicher. Wir werden wieder kommen! Ein weiterer Urlaub im Schwedisch Lappland steht an. Dieses Land übt auf uns einen derartigen Reiz aus, dass für uns kein anderes Urlaubsziel in Frage kommt. Naja, vielleicht die anderen skandinavischen Länder. Besonders schön ist es im Lappland, wo die ganzen Einflüsse der Sami zu spüren sind.
Von unserem Campingplatz haben wir uns nach einigen Startschwierigkeiten beim Wassertanken auf die E4 gemacht und haben Nyköping, Jönköping, den Vätternsee und viele andere Städte passiert. Gegen 17 Uhr haben wir Lund erreicht, wo wir uns einen Parkplatz suchten (gar nicht so einfach mit einem Wohnmobil, gab fast nur Parkhäuser) und die Innenstadt erkundeten. Besonders zu empfehlen ist die Domkirche in Lund, die besonders beeindruckend ist. Die Domkirche wurde 1103 im romanischen Baustil erbaut und ist damit der älteste Dom Skandinaviens. Direkt an den Dom grenzt der Stortorget (dt. großer Platz), an dem einige Cafés und Geschäfte beherbergt waren. Insgesamt ist Lund für seine knapp 80.000 Einwohner eine sehr ruhige Stadt mit Charme. Nach dem Innenstadtrundgang fuhren wir zur MAX Hamburgare, einer schwedischen Fast-Food-Kette, um dort den Urlaub bei einem unglaublich leckeren Burger ausklingen zu lassen. Jetzt stehen wir auf einem Mediamarktparkplatz und hoffen, dass uns hier niemand verjagt, damit wir hier in Ruhe nächtigen können. Morgen geht es nämlich früh raus…


05.07.2011 - Wieder nach Hause :(

Um 5.30 Uhr hat der Wecker geklingelt. Heute geht es nach Hause. Wir haben uns schnell klar gemacht, dann ging es auf die Autobahn. Um kurz nach 6 überquerten wir die Öresundbrücke. Weiter ging es über Dänemark zur Fähre nach Puttgarden. Wir hatten Glück, wir mussten nur 10 Minuten warten, dank BroBizz, dem Funksender. Nach einem etwas unfreundlichen Einweiser, der wild mit dem Armen ruderte und kein Mensch wusste, was er wollte, standen wir dann in der Fähre und genossen Muffins und Kaffee zum Frühstück. In Deutschland angekommen fuhren wir dann von Puttgarden nach Hause und kamen gegen 13.30 Uhr an. Dann ging ich einkaufen, Andrea reinigte das Wohnmobil. Wir brachten es dann um 17 Uhr zurück zu Wohnwagen Becker in Kassel. Diese Firma ist wirklich zu empfehlen und es wird nicht unser letzter Urlaub mit Wohnmobil gewesen sein.

 

 

 

 

 

Patrick Foltin  | patrick@foltin.net